Schulprofil

Die Canisiusschule ist ein Gymnasium in bischöflicher Trägerschaft. Das bedeutet:

Wir pflegen ein christliches Profil und lassen uns vom Glaubens- und Lebensmotto des Petrus Canisius leiten „Ut omnes unum sint“. Das Fundament unseres pädagogischen Handelns ist das christliche Menschenbild.

Leitbild und Menschenbild bilden darum den Rahmen unseres Schulprogramms.

Ut omnes unum sint - Einheit in Vielfalt

Das Profil unserer Schule findet seinen plastischen Ausdruck in der von H. Schürk-Frisch geschaffenen Bronzestatue des Namenspatrons unseres Gymnasiums: des heiligen Petrus Canisius (1521 - 1597).

Diese Statue im Eingangsbereich der Aula zeigt den Jesuiten mit einem Zitat aus Joh 17,21: Ut omnes unum sint (damit alle eins seien).

Petrus Canisius hat im 16. Jahrhundert maßgeblich die geistige, religiöse und politische Landschaft Europas mitgestaltet. „Aus christlicher Überzeugung heraus betrachtete er die Vielfalt als eine ungeheure Bereicherung, wenn es gelingt, die verschiedenen Prägungen, die sich öfters in Europa gegeneinander absetzen, zu einer gemeinsamen Kraftquelle zu bündeln.“ (1) Dieser Gedanke ist angesichts der heutigen Situation der EU aktueller denn je. „Als Europäer konnte er nur die Verschiedenheit in Einheit als Gemeinschaftsideal sehen.“ (2)

Auch bezogen auf Religionen und Konfessionen war Einheitlichkeit für Petrus Canisius niemals die höchste Form der Einheit. Theologisch hat Canisius vielmehr die Freiheit des Evangeliums gepredigt. Seine Erfahrungen durch die Geistlichen Übungen des Ignatius ließen in ihm die Überzeugung reifen, dass Gott jeden einzelnen Menschen beim Namen ruft. „Keineswegs um sich in einem Individualismus einzu¬sperren, sondern um […]die persönliche Verantwortung für die Gemeinschaft […] zu verspüren.“ (3)

Vor diesem Hintergrund verstehen wir als christliches Gymnasium und Europaschule das Wort „ut omnes unum sint“ als „Einheit in Vielfalt“. Wie Canisius sind wir der Überzeugung, dass es notwendig ist, junge Menschen zu einem persönlichen Verantwortungsbewusstsein zu erziehen, damit sie den vielfältigen Herausforderungen der Zukunft in Kirche und Gesellschaft gewachsen sind. Dabei orientieren wir uns an dem christlichen Gottesverständnis, das dazu befähigt, die vielfältigen „Götter“ in unserer Gesellschaft zu entlarven und Einspruch gegen die Verabsolutierung der Nation und der Macht, des Reichtums und des Genusses zu erheben.

Wie dieses Gottesverständnis das Menschenbild prägt, das die Grundlage unseres pädagogi¬schen Handelns bildet, wird im Baustein „Christliches Menschenbild“ dargestellt.


(1) Peter-Hans Kolvenbach SJ, Ansprache beim Festakt in der Frankfurter Paulskirche am 20. September 1997: Petrus Canisius SJ: Humanist und Europäer, S.12.
(2) Ebd.
(3) Ebd. S. 16.

Christliches Menschenbild

Das christliche Menschenbild prägt die Pädagogik an der Canisiusschule. Dabei kommt dem drei-einen Gott besondere Bedeutung zu, welches zu bestimmten Ansätzen führt, denen wir uns verpflichtet fühlen. Diese Ansätze sind in Klammern schlaglichtartig formuliert.

Wenn GOTT sich in drei Weisen offenbart, die nicht voneinander getrennt werden können, dann ist GOTT kein statischer Begriff, sondern ein dynamisches Beziehungsgeschehen, das auch die Beziehung zwischen Gott und Mensch prägt. Nimmt man dieses Gottesbild und das damit korrespondierende Menschenbild ernst, dann (1)

  • folgt aus der Gottesebenbildlichkeit gleiche und unantastbare Würde und Ebenbürtigkeit aller Menschen (Einheit in Verschiedenheit)
  • steht die Einmaligkeit der Person in ihrer Eigenständigkeit und Verantwortung, aber auch in ihrer Relationalität im Mittelpunkt (Feedback-Kultur)
  • geht es darum, die eigenen Begabungen zu erkennen, zu entwickeln und für andere einzusetzen (individuelles, selbst-bewusstes Lernen)
  • können Fehler, Polaritäten, Gegensätze und Konflikte lösungsorientiert als Chance gesehen werden (Fehler-Kultur)
  • öffnen Lehrerinnen und Lehrer den Blick auf die Wirklichkeit, bieten Deutungsmodelle an, helfen, miteinander, voneinander und füreinander zu lernen (Kooperation)
  • werden Sprachfähigkeit und Dialogbereitschaft gefördert, die Kommunikation ist unter Wahrung der sozialen Rollen unhierarchisch, gewaltfrei, von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt (wertschätzende Kommunikation)
  • werden Begegnung mit anderen Religionen und Kulturen für die eigene Identitätsfindung und wertschätzenden Austausch fruchtbar gemacht (interreligiöser und interkultureller Dialog)
  • wächst das Bewusstsein für Geschwisterlichkeit und Vernetzung mit allen Geschöpfen (Nachhaltigkeit und Ökologie)


(1) Nach: Petra Kurten, Gottes geheimnisvolle Lebensrelevanz, in: S. Bieberstein, P. Nothaft, B. Staudigl (Hg.), Hoffnungsraum Schule, Ostfildern 2019, S.51f.