Sozialpraktikum

Schwerpunkte und Ziele des Praktikums „Dienst am Menschen“

Seit dem Jahr 2001 wird an unserer Schule für alle Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Oberstufe  - in der EF - ein dreiwöchiges Sozialpraktikum durchgeführt. Ein entscheidender Grund dafür ist die Überlegung, dass unsere Schule, die ihre Erziehung an christlichen Werten orientiert, entschieden als Erfahrungsraum für den Dienst am Menschen genutzt werden soll. Das heißt: Wir möchten bei unseren Schülerinnen und Schülern die Bereitschaft zum sozialen Engagement nicht nur wecken, sondern ihnen auch die Gelegenheit geben, durch ein sozial orientiertes Praktikum in beispielhafter und überzeugender Weise diesem Anspruch gerecht zu werden.

Gerade in unserer spaß- und konsumorientierten Zeit soll ein derartiges Praktikum dazu beitragen, soziale Haltungen und Handlungsweisen zu entwickeln. Das Sozialpraktikum kann in sozialen Einrichtungen verschiedenster Art abgeleistet werden: in Krankenhäusern, Seniorenheimen, Behinderteneinrichtungen, Sonderschulen, integrativen Kindertageseinrichtungen und anderen sozialen Einrichtungen. Bereits mehrfach konnten unsere Schüler ihr Praktikum im Ausland u.a. in Frankreich verbringen.

Schwerpunkt des Praktikums ist die Begegnung mit dem Menschen, um zum Beispiel die Gefühle und das Gesprächsbedürfnis kranker und pflegebedürftiger Menschen kennenzulernen, das gegenseitige Annehmen zu erleben, das unter Behinderten zu beobachten ist. Im Rahmen dieser mitmenschlichen „Begegnung“ hoffen wir, dass die Praktikantinnen und Praktikanten, die sich ihre Praktikumsstellen eigenständig suchen, somit die Bereitschaft entwickeln, das Fremde in seiner Andersartigkeit anzunehmen und soziale Verantwortung aktuell und im späteren Leben zu übernehmen.

Begleitung der Schülerinnen und Schüler

Unverzichtbarer Teil des Praktikums ist eine intensive Begleitung der Schüler, die durch eine ausführliche Eltern- und Schülerinformation, eine umfassende Einführung der Schüler direkt vor dem Praktikum, die Begleitung und den Besuch in der Praktikumsstelle durch die Kollegen und durch einen Reflexionstag  nach dem Praktikum gewährleistet wird.

Das Sozialpraktikum – aus der Sicht der Schülerinnen/Schüler

Während zuweilen einige Schülerinnen und Schüler dem Sozialpraktikum mit einer gewissen Skepsis entgegensehen, empfinden sie rückblickend die drei Wochen als wichtige Lebenserfahrung, auf die sie nicht mehr verzichten wollten. Immer wieder übertreffen die Rückmeldungen unsere Erwartungen bei Weitem.
Stellvertretend für den Großteil der Schüler kann gesagt werden, dass die Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement und mit Stolz eine Herausforderung angenommen und bewältigt haben, so dass sie an dem Reflexionstag mit neuem Selbstbewusstsein über ihre Tätigkeit berichten.

„Es war einfach mal eine tolle Erfahrung, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen und anschließend zu merken, wie dankbar sie für jede kleine Hilfe sind und wie sehr sie sich darüber freuen. Einige Bewohner werden mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben und ich werde sie garantiert noch mal besuchen.“

Auch andere Berichte und kreative Beiträge, die am Reflexionstag von Schülerinnen und Schülern verfasst wurden, belegen eindrucksvoll, in welcher Weise den Schülern der Blick für menschliche Befindlichkeiten und Grenzsituationen geöffnet worden ist.

Kreative Beiträge und Berichte der Schülerinnen/Schüler

Eine Schülerin schrieb am Reflexionstag folgenden Brief an die Jahrgangsstufe, die im folgenden Jahr  das Sozialpraktikum absolviert.

„Liebe Schülerinnen und Schüler, ihr werdet im nächsten Jahr für drei Wochen ein Sozialpraktikum machen. Dabei ist es ganz egal, in welcher Einrichtung ihr dieses Praktikum macht, es wird immer nahe am Menschen sein. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, den Menschen immer offen und ehrlich zu begegnen, so wie die meisten auch euch entgegentreten werden.
Sicherlich werdet ihr auch Menschen kennenlernen, die diese Eigenschaften nicht besitzen, da sie von Sorgen, Krankheit, Alter oder tiefgreifenden Schicksalsschlägen gezeichnet sind. Beschäftigt ihr euch näher mit diesen Menschen, so werdet ihr feststellen, dass auch sie sich gerne jemandem mitteilen möchten. So können selbst in der kurzen Zeit emotionale Bindungen zwischen euch, den Kindern, Behinderten und Älteren entstehen.
Über eure Erfahrungen könnt ihr euch jeder Zeit mit eurem Betreuungslehrer, eurer Familie und Freunden sowie mit den Mitarbeitern der jeweiligen Einrichtung austauschen. Diese werden euch während des gesamten Praktikums begleiten und euch zur Seite stehen, wenn es Probleme gibt.
Wir wünschen euch eine tolle, aufregende und erlebnisreiche Zeit!

Die Schülerinnen und Schüler der EF“

„Sozial emotional: Drei Wochen Sozialpraktikum – was bleibt?“

Das schrieb ein Schüler nach Beendigung seines dreiwöchigen Sozialpraktikums, das er in einem Seniorenheim abgeleistet hatte:

„Drei Wochen Menschen, drei Wochen denken.
Doch was bleibt?
Was ist die Nachwirkung von drei Wochen Praktikum?
Augenblicke; Augen – Blicke; Lächeln; leben; kennen – lernen, Persönlichkeiten
MENSCHEN!
Helfen, Teilen von Traurigkeiten, von Heiterkeit
- hilfsbereit in jeder Zeit.

Doch was bleibt?!
was bleibt ist die Erinnerung.“

Zwei Schülerinnen, die ihren Dienst in einem Seniorenheim leisteten, schrieben folgende Gedanken auf:


Alt
der Tod kommt bald
dement
eine Frau, die ihren Mann nicht
mehr kennt
verwirrt
wenn man durchs eigene Haus irrt
schwach
der leiseste Ton wird zum Krach
krank
man kommt nicht mehr vom
Bett bis zum Schrank
Verlassen
Wenn die Kinder einen hassen
Blind
Man sieht nicht mehr das eigene Kind

Alt
Der Tod kommt bald…