Suchtprävention
Die Stärkung und Sensibilisierung des Individuums stand im Mittelpunkt der diesjährigen Suchtpräventionstage für Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 und 8
Suchtpräventionstage 2010 an der Canisiusschule
„Kinder stark machen – zu stark für Drogen“ - so lautet der Titel einer dreiteiligen Elternbroschüre zum Thema Suchtprävention, das die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln herausgibt. Nach Phasen der Abschreckungspädagogik, die auf Angst setzte, und der Informationspädagogik, die die Jugendlichen auf der kognitiven Ebene anzusprechen versuchte, fühlt sich die aktuelle Suchtpädagogik nun der These verpflichtet, dass die Stärkung des Ichs – seines Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls – die beste Suchtprävention darstellt.
Diese These leuchtet ein, doch kann es nicht Ziel zweieinhalbtägiger Suchtpräventionstage sein, diesen Anspruch einzulösen; sie sind vielmehr als Baustein in einem ganzheitlichen Erziehungskonzept zu verstehen, dass die Stärkung des Individuums zum Ziel hat. Dieses Ziel hat die Canisiusschule fest in ihrem Schulprogramm verankert.
Was nun können und sollen die Suchtpräventionstage für die Jahrgangsstufen 7 und 8 konkret leisten? Sie haben die Aufgabe, das Thema Sucht aus der Tabuzone zu heben, über die Gefahren verschiedener Suchterkrankungen zu informieren und zu einer persönlichen Auseinandersetzung anzuregen. Die Suchtpräventionstage an der Canisiusschule sind eine bewusste Mixtur aus Angeboten für Körper, Geist und Seele, weil wir versuchen möchten, die Schülerinnen und Schüler ganzheitlich für das Thema zu sensibilisieren. Die folgende Struktur sowie die zentralen Inhalte der diesjährigen Suchtpräventionstage vom 10. Mai bis zum 12. Mai werden wir zunächst beibehalten:
In zwei einführenden Stunden dachten einige Lehrerinnen und Lehrer der Canisiusschule mit den Schülerinnen und Schülern darüber nach, wie Sucht zu definieren ist, welche Gründe Menschen in die Sucht führen, wo wir in unserem Alltag mit Sucht konfrontiert werden und welche Strategien wir bisher in unserem Leben zu nutzen wussten, um aus Stress- und Krisensituationen herauszufinden.
Der zweite Projekttag wurde von verschiedenen externen Referentinnen und Referenten dominiert. Zunächst waren die Schülerinnen und Schüler mit
Mitgliedern des Kreuzbundes zusammen, die von ihrer persönlichen Alkoholproblematik erzählten. Danach wurde geschlechtsspezifisch weitergearbeitet: Die Mädchen befassten sich zusammen mit drei Referentinnen mit dem Thema Essstörungen, die Jungen mit dem Thema Spielsucht im Internet. Parallel zu diesen Veranstaltungen gab es noch verschiedene Sport- bzw. Tanzveranstaltungen, in denen am Ende ebenfalls der Bezug zum Thema Sucht reflektiert werden sollte.
Am dritten Tag schließlich hörten die Schülerinnen und Schüler einen Vortrag des Anti-Rauch-Motivators van Loh und spürten in Kleingruppen mit Hilfe von Rollenspielen und Standbildern den Themen „Neinsagen“ und Gruppendruck nach. Den Abschluss der Suchtpräventionstage stellte eine offene Evaluationsrunde im Klassenverband dar, in der jede(r) einzelne noch einmal die Gelegenheit hatte, in Form eines durch Fragen gelenkten Selbstportraits über persönliche Stärken, Schwächen, Zukunftswünsche, Krisensituationen und Möglichkeiten des Krisenmanagements nachzudenken.
Die Resonanz der Schülerinnen und Schüler zu den Suchtpräventionstagen war insgesamt sehr positiv. Als besonders eindrucksvoll schien der Vortrag von Herrn van Loh gewirkt zu haben, und besonderer Informations- und Gesprächsbedarf besteht offenbar bei den Mädchen zum Thema Essstörungen.
Obwohl die externen Referentinnen und Referenten einstimmig rückmeldeten, dass sich die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Canisiusschule ihrem Eindruck nach sehr gut um ihre Kinder kümmern, möchte ich doch mit dem Gedanken schließen, dass wir als Eltern und Lehrer und auch als ältere Geschwister Vorbildfunktion haben z.B. in Bezug auf unseren Umgang mit legalen Drogen wie Nikotin und Alkohol oder, wo das nicht möglich ist, ehrlich zu unseren Schwächen stehen sollten.
Und so schließt sich der gedankliche Kreis: Wenn wir als Erwachsene authentisch sind und versuchen, unsere Kinder bzw. Schülerinnen und Schüler als Eltern und Lehrer in ihrer Persönlichkeit zu stärken, dann erhöhen wir die Chance, sie stark zu machen – zu stark für Drogen.
Andrea van der Linde,
Suchtpräventionsbeauftragte der Canisiusschule Ahaus
Kurz notiert
Die Terminpläne für die ABI-Vorklausuren sind online.

