Abiturquote
Dr. D. Kenbel, Staatssekretär im Bildungsministerium NRW, erläuterte in einem Perspektivreferat im Rahmen der Lehrerfortbildung der Canisiusschule wegweisende Maßnahmen gegen niedrige Abiturientenquoten im Westmünsterland.
Das Problem ist spätestens seit der Präsentation der Ergebnisse der Bildungsstudie für den Kreis Borken im Jahr 2008 bekannt: Die Zahl der Schulabgänger mit Abitur ist im Kreis Borken so niedrig wie nirgendwo sonst in Nordrhein-Westfalen. Längst wird das Westmünsterland von Experten als bildungsbenachteiligte Region bezeichnet. Die Folgen für die Schülerinnen und Schüler sind gravierend. Ohne die allgemeine Hochschulreife ist den Jugendlichen der Zugang zu zahlreichen Berufen versperrt, ihre Zukunftsperspektiven stehen auf dem Spiel.
Im Rahmen der Lehrerfortbildung des Kollegiums der Canisiusschule präsentierte nun Herr Dr. Kenbel, Staatssekretär im Bildungsministerium, mittelfristige Lösungsansätze, die bei Schülern, Eltern und Lehrern größte Zustimmung finden sollten. In seinem zweistündigen Perspektivreferat skizzierte der Bildungsexperte aus Düsseldorf zunächst die Notwendigkeit, Bildungsabschlüsse an ökonomischen Realitäten und Funktionsprinzipien zu orientieren, um eine Optimierung der Abiturquote im Westmünsterland zu erreichen. Im Anschluss präsentierte er seinen ebenso einfachen wie genialen Lösungsansatz: Deficit-Trading.
Deficit-Trading orientiere sich in seiner Funktionsweise am bewährten Prinzip des Handels mit Emissionsrechten. Gehandelt würden aber nicht CO2-Kontingente, sondern Defizitkurse in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe. Deficit-Trading ermögliche es Schülern, angesammelte Defizitkurse gegen eine Gebühr an Mitschüler ohne Defizitkurse abzugeben. Die unverbindlichen Preisempfehlungen seien dabei moderat und gestaffelt. 750€ pro defizitärem LK und nur 250€ pro GK seien an den Übernehmenden zu zahlen. Um Missbrauch zu vermeiden sei die Anzahl handelbarer Kurse pro Schüler und Halbjahr auf 2 LK- und sechs GK-Defizitkurse zu limitieren.
Dr. Kenbel wies nachdrücklich auf die Vorteile des Deficit-Trading hin. Für den Abgebenden würden 'getradete' (dt.: gehandelte) Kurse automatisch mit der Note „befriedigend“ gewertet, so dass die Rendite des eigenen Investments in einer sicheren Abiturzulassung und einem passablen Notendurchschnitt zu sehen sei. Auch der annehmende Schüler habe nur Vorteile. Neben einem soliden Verdienst könne er seine sozialen Kompetenzen unter Beweis stellen und im Bereich der ‚Kopfnoten‘ punkten. Darüber hinaus wirkten sich angenommene Defizitkurse nicht negativ auf den eigenen Abiturschnitt aus. Bei Schulleitungen, Kollegien, Eltern und Schülern seien erheblich reduzierte Stressniveaus zu erwarten, da die Zukunft aller Schülerinnen und Schüler gesichert sei.
Insgesamt werde das Deficit-Trading die gewünschten Effekte für das Westmünsterland erzielen: Eine signifikante Steigerung der Abiturquote, des Abiturdurchschnitts und der Zahl der Studierenden.
Auf die kritische Nachfrage, ob man sich bei einer zu hohen Gesamtzahl von Defizitkursen in der Qualifikationsphase eines Oberstufenjahrgangs auch noch auf ökonomische Mechanismen verlassen könne, antwortete Dr. Kenbel unmissverständlich. Auch diesen Fall habe man in Düsseldorf bedacht. In einem solchen unwahrscheinlichen Fall werde es den Schulleitungen ermöglicht, alle Defizitkurse des Jahrgangs in einen sogenannten Deficit-Fund einer landeseigenen Educational-BadBank auszulagern. Dieses Mittel habe sich zumindest in der Finanzbranche bestens bewährt.
Kurz notiert
Die Terminpläne für die ABI-Vorklausuren sind online.

