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Die Kraft des Glaubens

Prälat Hermann Scheipers, der letzte Überlebende des Priesterblocks im KZ Dachau, beeindruckte hunderte Zuhörer mit einem tief bewegenden Vortrag über sein Leben, die Gefahren gottloser Gesellschaften und die erlösende Kraft des christlichen Glaubens.

Als Prälat Hermann Scheipers seinen Vortrag in der Aula der Bischöflichen Canisiusschule nach knapp drei Stunden mit dem göttlichen Segen beendet, sind hunderte Zuhörer - Schüler, Lehrer und Elternvertreter - tief beeindruckt und bewegt. Die Ausführungen des 96-jährigen katholischen Geistlichen, dem letzten Überlebenden des Priesterblocks im KZ Dachau, hatten sich nicht etwa in Guido Knoppschen Banalitäten erschöpft. Im Gegenteil: Hermann Scheipers, der als Staatsfeind sowohl in der nationalsozialistischen als auch der SED-Diktatur verfolgt worden war, hatte wohltuend klar zu grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz, des Wesens totalitärer Systeme und vor allem der Bedeutung des christlichen Glaubens für die Menschheit Stellung bezogen.

Gleich zu Beginn des Vortrags stellt Prälat Scheipers klar, dass er Gottlosigkeit als Grundlage des Bösen sieht. Erlösung von allem Bösen könne der Mensch auschließlich durch Christus erfahren. Menschen seien rettungslos verloren, wenn sie "Gott nicht haben oder Gott nicht mehr erkennen wollen." Dies sei auch das Grundübel der totalitären Diktaturen des 20.Jahrhunderts gewesen. Die beiden Diktaturen Nationalsozialismus und Kommunismus hätten mehr gewollt als die äußere Macht: den ganzen Menschen, seine Seele, dass man an sie glaubt. Sie hätten das verlangt, was nur Gott verlangen könne: Den Glauben und totale Hingabe. Totale Hingabe an Gott, davon erzählt Scheipers Leben.

Noch im Schlimmsten - so sagt er selbst - habe er es verstanden, die „Geborgenheit Gottes“ zu fühlen. "Nur im Glauben" sei das Leid auszuhalten gewesen. Das Schlimmste, eine treffende Bezeichnung für das Konzentrationslager Dachau, in das zunächst all jene verbracht wurden, die sich nicht anpassen wollten. Dem Tod, so erzählt der Priester den überwältigten Zuhörern, sei er hier nur sehr knapp entronnen. Ausführlich beschreibt Scheipers, wie er die Hölle des Konzentrationslagers Dachau überlebte – trotz seiner nach einem Schwächeanfall erfolgten Selektion zum Abtransport in die Gaskammer. Durch die mutige Intervention seiner Zwillingsschwester Anna im Reichssicherheitshauptamt in Berlin rettete sie nicht nur ihn sondern damit auch 500 weitere im KZ inhaftierte Priester vor dem sonst sicheren Tod. Nicht minder erschreckend wirkt es, wenn Scheipers vom ohnehin schwierigen Alltagsleben, dem allgegenwärtigen Sterben,  der willkürlichen Terrorherrschaft, von menschen-verachtenden Sonderfolterbehandlungen im KZ Dachau und den sogenannten Todesmärschen der Häftlinge gegen Kriegsende berichtet. Und dennoch: Sein Glaube an Gott sei im KZ Dachau gewachsen.

Auf einem dieser Todesmärsche am 27. April 1945, zwei Tage vor der Befreiung des KZ Dachau durch amerikanische Streitkräfte, gelang Scheipers dann endgültig die Flucht. 1946 kam er wieder zurück in die Sowjetzone, zum Ärger seiner Eltern. Sein Motiv: Er habe dorthin gewollt, wo man ihn gebraucht habe. Scheipers bezeichnet seine Zeit in der SBZ/DDR rückblickend als besondere Freude. Zum Opfer wurde der Priester jedoch auch in der SED-Diktatur. In der atheistischen DDR deckte Scheipers in seinen Predigten die unmneschlichen und unchristlichen Züge der Diktatur auf und geriet damit ins Visier der Staatsmacht. Vier Jahre lang wurden 15 Stasi-Spitzel auf ihn angesetzt, mit dem Ziel, ihn wegen „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilen zu können. Zudem versuchte man, den Geistlichen als GI (Geheimer Informant) der Staatssicherheit anzuwerben. Ohne Erfolg. Der christliche Glaube – auch hier wurde er zum Widerstand gegen die Diktatur im DDR-Unrechts-Staat.

Hart ins Gericht geht der 96-jährige mit all jenen, die in der Zeit der Nazi-Diktatur durch Wegschauen und Schweigen zu Komplizen des Regimes geworden seien. Der Quell alles Bösen seien Gleichgültigkeit und Trägheit gegenüber den Mitmenschen. "Nur in der Freiheit selbstloser Liebe" könne die verlorene Welt den Weg zum Heil Gottes finden. Es ist daher konsequent, wenn Hermann Scheipers alle Anwesenden auffordert, sich für Gott zu entscheiden und den Mut zu haben, gegen den Strom zu schwimmen. Letzteres erwarte nicht nur Gott von jedem Einzelnen, sondern dies erwarteten auch die Mitmenschen. Die Pflicht aller Menschen zum geistigen Widerstand gegen jede Form von Unmenschlichkeit - Prälat Scheipers weist auf sie hin. Wir alle sollten ihr überzeugt nachkommen.



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