Individuelle Förderung und Beratung
Die individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler steht im Mittelpunkt des Förder- und Beratungskonzeptes der Bischöflichen Canisiusschule
Individuelle Förderung und Beratung an der Bischöflichen Canisiusschule Ahaus
Neben der Vermittlung von Fähigkeiten und Kenntnissen sowie von Werthaltungen, die im Klassenverband bzw. in Kursen stundenplanmäßig stattfinden, spielt die individuelle Förderung und Beratung von Schülerinnen und Schülern aller Jahrgangs- und Altersstufen eine wesentliche Rolle im Programm jeder Schule. Durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Lehrerkollegium, Eltern und Schülern soll in einem Klima gegenseitigen Respekts Hilfe angeboten werden in Situationen, die entweder eine entscheidende Weichenstellung im individuellen Lernfortschritt darstellen oder in einer als problematisch erlebten Lebenssituation des Rates und Beistands bedürfen.
Da sich unsere Schule das Ideal eines zutiefst christlich geprägten menschlichen Miteinanders gesetzt hat, versuchen wir, durch Gesprächs- und Hilfsangebote beizutragen zu einer individuellen Entwicklung, in welcher persönliche Voraussetzungen und Zielvorstellungen berücksichtigt werden.
Übergang von der Grundschule zum Gymnasium
Im Rahmen individueller Aufnahmegespräche, bei denen ein Vertreter der Schule mit Eltern und Kindern zusammenkommt, werden auch besondere Neigungen und Interessen thematisiert, welche durch die Aufnahme an unsere Schule gefördert werden sollen; auch eventuelle Wünsche zur Einteilung der künftigen 5. Klassen können angesprochen werden. Das persönliche gegenseitige Kennenlernen soll Basis sein für eine langfristige und vertiefte Beziehung zwischen Schule, Elternschaft und Schülern.
Die Schule pflegt seit langem Kontakte zu den Grundschulen im Wohnumkreis unseres Gymnasiums. In Gesprächen zwischen dem Lehrpersonal dieser Schulen und unserer Schule werden neben Aspekten der jeweiligen methodischen und inhaltlichen Schwerpunkte in besonderem Maße auch individuelle, auf die persönlichen Belange der jeweiligen Schüler bezogene Themen besprochen. So sollen Entwicklungen besser verstanden und eingeordnet werden, die oft vor dem Übergang zum Gymnasium bereits ihren Anfang nahmen.
Den Schritt zum Gymnasium erleichtern soll der Kennenlern-Nachmittag, den unsere Schule den Kindern anbietet, die nach den Sommerferien bei uns eingeschult werden. Zusammen mit ihren Eltern können sie Personen und Räumlichkeiten „erleben“, die bald den Lernalltag mitgestalten werden; ebenso stehen kleine Einblicke in den Fachunterricht am Gymnasium auf dem Programm.
Vor dem Beginn des Unterrichts werden in Vorbesprechungen zwischen den neuen Klassenlehrern und der Erprobungsstufen-Koordination neben allgemeinen auch individuelle Aspekte zu Lern- und Sozialverhalten aufgegriffen. Ziel ist, möglichst vom ersten Schultag an auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse jedes Kindes individuell eingehen zu können.
Förderbereiche bzw. –maßnahmen in der Schule
Speziell Klassen 5 und 6 (Erprobungsstufe)
Am ersten Schultag in der neuen Schule steht ein Einschulungs-Gottesdienst im Mittelpunkt, der von Schülern unserer 6. Klassen vorbereitet und gestaltet wird. Jedes Kind soll dieses Miteinander als persönliche Einladung verstehen, an der Schulgemeinschaft mitzuwirken, in die es aufgenommen worden ist. Durch Lieder, Texte und Bilder wird auf das Ziel der kommenden Schulzeit verwiesen: als Individuum gesehen und gefördert zu werden und sich in persönlicher Weise in verschiedene Formen der Gemeinschaft einzufügen.
In den ersten Wochen an der neuen Schule treten ältere Mitschüler als helfende „Paten“ in Erscheinung; sie sollen sowohl den Klassen als auch den einzelnen Schülern helfend zur Seite stehen, um den neuen Alltag zu meistern. Dass neben den Lehrern auch erst wenige Jahre ältere Mitschüler Ansprechpartner beim Eingewöhnen sind, soll ein individuelles Angebot sein; so kann beispielsweise ein sogenannter „Bus-Pate“ die oft ungewohnte Fahrt im Schulbus etwas unproblematischer machen.
Um erste individuelle Erlebnisse, Eindrücke und Einsichten zu reflektieren, bietet die Schule schon nach wenigen Wochen einen speziellen Elternsprechtag nur für Eltern der 5. Klassen an. Für eine möglichst frühzeitige persönliche Aussprache stehen Klassen- und Hauptfach-Lehrer den Eltern zur Verfügung. Natürlich sind alle Lehrpersonen, die in den 5. Klassen unterrichten, auch darüberhinaus zu individuellen Beratungsgesprächen bereit.
In den Stunden, welche von den Klassenlehrern gegeben werden, erarbeiten die Schüler gemeinsam einen „Klassen-Kodex“, eine Sammlung von festen Regeln und Ritualen, durch die das Zusammenleben in der Klasse geregelt und erleichtert werden soll. Jeder einzelne Schüler kann an der Erarbeitung dieses Regelwerks mitarbeiten.
Um sich ein breites Spektrum an Methoden zur Informationsverarbeitung anzueignen, sollen sich die Schüler vertraut machen mit wichtigen Techniken erfolgreichen Lernens. In der 5. und 6. Klasse werden daher wiederholt Unterrichtseinheiten durchgeführt, die teils fachbezogen, teils fächerübergreifend diesem Zweck dienen sollen. Unter anderem erscheinen als Fragestellungen: Wie führe ich meine Hefte und Ordner? Wie gestalte ich meinen häuslichen Arbeitsplatz? Wann und wie erledige ich Hausaufgaben, welche Formen des Auswendiglernens passen zu mir? Wie bereite ich mich auf Tests und Klassenarbeiten vor? Welcher „Lern-Typ“ bin ich und welche Lerntechniken bevorzuge ich? Jeder Schüler soll in den Stand gesetzt werden, nach und nach sein eigenes Lernprogramm zu entwickeln, um seine Individualität einbringen zu können.
Eine zusätzliche Anwendung und Erprobung dieser methodischen Möglichkeiten erfolgt im Bereich „SAR“; diese Wochenstunde „selbstständiges Arbeiten“, die für die 5. und 6. Klassen im Stundenplan verankert ist, soll es ermöglichen, im weitgehend individuellen Zugriff auf Materialien aus verschiedenen Fächern eigene Lernfortschritte zu verfolgen. Im Rahmen dieser Stunden sollen neben Pflichtbereichen auch frei zu wählende Inhalte und Stoffe bearbeitet werden, wodurch eine größere Individualität im Verarbeiten von Informationen erreicht werden soll.
Bei den regelmäßig stattfindenden Erprobungsstufen-Konferenzen wird neben der Beratung über erzielte Lernerfolge ein besonderes Gewicht auf die Behandlung des individuellen Sozial- und Lernverhaltens gelegt. Die daraus resultierenden Gespräche mit Eltern und Kindern sollen persönliche Rückmeldungen darstellen, die Ansporn und Rat beinhalten.
Außerdem werden in zwei zusätzlichen pädagogischen Konferenzen pro Halbjahr die Belange von Klassengemeinschaften, aber auch von einzelnen Schülern angesprochen; auch durch die verstärkte Zusammenarbeit von Lehrern in der jeweiligen Klasse (Teambildung) soll der Blick auf den einzelnen Schüler intensiviert werden.
Klassen 5 bis 9 bzw. 10 (Sekundarstufe I)
Um Eltern und Schülern unserer Schule eine möglichst intensive individuelle Förderung und Beratung zukommen zu lassen, wird die Rolle des Klassenlehrers bzw. Klassenleiters besonders hervorgehoben. Damit eine enge Beziehung wachsen kann, bleibt die Klassenleitung nach Möglichkeit während der Sekundarstufe I konstant. Der persönliche Ansprechpartner, der die Entwicklung seiner Schüler über mehrere Jahre hinweg beobachtet, kann auf einer gewachsenen Vertrauensbasis in Fragen der schulischen Belange und individueller Fragen und Probleme Auskunft erteilen, Rat geben und Lösungen suchen helfen. Als weitere individuelle Anlaufpunkte stehen an unserer Schule die Schulleitung, die Koordinatoren für die Unter- und die Mittelstufe, der Beratungslehrer sowie die Schulseelsorge zur Verfügung.
Eine wesentliche Säule für die individuelle Förderung und Beratung stellt eine intensive und dauerhafte Beziehung zwischen Eltern und Schule dar. Neben dem Elternabend (Klassenpflegschafts-Versammlung) dienen oft weitere informelle Kontaktmöglichkeiten der Pflege des Kontakts, sei es, dass ein Eltern-Stammtisch eingerichtet wird, sei es, dass bei besonderen schulischen Aktivitäten individuelle Treffen möglich sind, zum Beispiel bei der alljährlichen Vorbereitung und Durchführung des Weihnachts-Basars. Die Schüler können bei Ausflügen, Wanderungen, Besichtigungen oder Landschulheim-Aufenthalten ihre Lehrpersonen näher und individueller erleben, als es oftmals im Schulalltag möglich ist.
Eine Möglichkeit der individuellen Beratung der Schüler besteht durch mündliche und schriftliche Kommentare zu Lernerfolgs-Überprüfungen; genaue Tipps zu Verbesserungsmöglichkeiten sind als notwendige Ergänzungen zur erteilten Note unter Klassenarbeiten sowie als Erweiterung des Halbjahres-Zeugnisses eine wichtige Chance für individuellen Lernerfolg. Daneben soll durch eine Palette weiterer Diagnose-Instrumente der eigene, persönliche Lernfortschritt dokumentiert werden; verschiedenartige Selbsttests und entsprechende Unterrichtsmaterialien dienen der selbstständigen Überprüfung (vor allem in den Kernfächern Deutsch / Mathematik / Englisch / Latein ), standardisierte Tests zu besonderen Schwerpunkten (z.B. Lese-/Rechtschreibfähigkeiten) ermöglichen individualisierte Rückmeldungen. Die Förderempfehlungen durch Fachlehrer führen zu Möglichkeiten der weiteren Unterstützung in eigenen Problembereichen, indem aus einem sogenannten „Stunden-Pool“ Förderangebote von Seiten der Schule gemacht werden, zum Beispiel in Form von ergänzenden Fachstunden durch Fachlehrer oder Oberstufen-Schüler.
Die Schule möchte im Rahmen der Ausweitung des Nachmittags-Unterrichts individuelle Angebote machen, die sowohl den Freizeit- als auch den Pflichtbereich ansprechen. In der Zeit der „betreuten Mittagspause“ werden Angebote gemacht, welche persönliche Vorlieben aufgreifen sollen – so kann individuell gewählt werden zwischen Aktivitäten, die eher eine „bewegte“ oder aber eine „beruhigende“ Pause ermöglichen. Eine individuelle Förderung stellt die Hausaufgaben-Betreuung dar, die im Rahmen der Übermittags-Betreuung für die Klassen 5 bis 9 eingerichtet wird.
Ein breites Angebot an Arbeitsgemeinschaften dient dazu, dass sich die Schüler unserer Schule in Bereichen ihrer Wahl individuell einbringen können. Aus einer Vielzahl von Interessenbereichen können die Schüler je nach Altersstufe und eigenen Interessen zusätzliche Veranstaltungen auswählen; zu nennen sind hier: Musical-AG, Kunst-AG, Theater-AG, Tanz-AG, Unterstufen-Chor, Eltern-Schüler-Lehrer-Chor, Medien- bzw. Video-AG, Schach-AG, Mathe-AG, Physik-AG, Chemie-AG, Erste-Hilfe-AG, Mofa-AG etc.
Des Weiteren fördert die Schule die Teilnahme unserer Schüler an Wettbewerben, in welchen persönliche Lernschwerpunkte und Vorlieben umgesetzt werden können. Vorbereitung und Unterstützung durch die Fachlehrer ermöglichen es, individuelle Fähigkeiten in neuen Zusammenhängen zu erproben und zu vertiefen. Zu denken ist hier an den Vorlese-Wettbewerb in Klasse 6, die mehrere Jahrgänge betreffenden „Känguru“-Wettbewerbe in Mathematik, ähnliche Herausforderungen in Physik, Chemie und Erdkunde sowie verschiedenartige Möglichkeiten der Teilnahme an englischsprachigen Wettbewerben. Schließlich kann im Fach Französisch das Sprachdiplom DELF erworben werden.
Außerdem unterstützt die Schule ihre Schüler dabei, individuelle Fähigkeiten zu entwickeln und eventuelle Schwächen auszugleichen. In Rechtschreib-AGs bei Deutsch-Lehrern sollen Schüler der Klassen 5 und 6 ihre Kenntnisse vertiefen; in Lese-AGs soll die Leseförderung durch die Besprechung deutscher oder englischer Texte angegangen werden. Die Computer-Nutzung wird für Schüler der Erprobungsstufe an Hand gängiger Anwender-Programme (Word, Excel, Powerpoint) zugänglich gemacht. In einem gemeinsamen Projekt der 6. Klassen, das im Musik-Unterricht stattfindet, kann jeder Schüler seine spezifischen Fähigkeiten einbringen, um das Projekt in einer abschließenden Aufführung zum Erfolg werden zu lassen.
Speziell an Jungen wendet sich das „Jungen-Projekt“; in der Gruppe, aber auch individuell können Schüler der 6. Klassen geschlechtsspezifische Fragen kennen lernen und Verhaltensmuster hinterfragen. Die Mädchen sollen im „MFM-Projekt“ („Mädchen-Frauen-meine Tage“) entsprechend über individuelle und geschlechtstypische Fragen ins Gespräch kommen.
In den 7. Klassen schließen sich unterschiedliche Angebote an. Zum einen wird im Rahmen der Sucht-Präventions-Tage eigenes Verhalten reflektiert und problematisiert; zum anderen bietet ein Klassenprojekt im Fach Religion die Gelegenheit, individuelle Stäken und Schwächen zu erkennen, Mitschüler anders und besser kennenzulernen sowie durch kreative Gestaltung Neues an und für sich selbst zu entdecken.
Einen besonderen Rahmen für das individuelle Einbringen von Fähigkeiten und Interessen kann und soll auch die sognannte „Profil-Stunde“ anbieten, die im Stundenplan der 8. Klassen fest verankert ist. In dieser von den Klassenlehrern erteilten Stunde werden in variabler Gestaltung Themen und Methoden aufgegriffen, die für die persönliche, ganzheitliche Entwicklung er Schüler bedeutsam sind. Es können fachgebundene oder auch fächerübergreifende Themen sowie außerschulische Angebote eingebracht werden, bei denen auch individuelle Aspekte von entscheidender Bedeutung sein sollen, z.B. Rollenverhalten, Gruppenkonflikte, Freizeit-Aktivitäten, Sinnsuche etc.
Enger an Inhalten der Fachcurricula orientiert sind Angebote, die am Ende der Sekundarstufe I greifen sollen. In kleinen und individualisierten Kursen werden Schüler gezielt auf Inhalte und Formen der Abschluss-Prüfung vorbereitet, die als zentrale Prüfung in Klasse 10 (ZP 10) stattfindet. In sogenannten „Springer-Kursen“ bietet die Schule letztmalig im Schuljahr 2009/10 einzelnen Schülern die Möglichkeiten, sich auf ein Jahrgangs-Überspringen vorzubereiten (zur Zeit von 10.1 nach 11.2); in den Kernfächern wird durch eine vertiefende Zusatzstunde Stoff vorbereitet und Methodensicherheit hergestellt.
Fortgeführt wird das individuelle Förderangebot in der Sekundarstufe II für diejenigen Schüler, welche von anderen Schulformen den Weg aufs Gymnasium gefunden haben. In Angleichungs-Kursen für Schulwechsler wird in der Jahrgangsstufe 11 versucht, diesen Übergang möglichst zu erleichtern und auf individuelle Bedürfnisse und Erfordernisse der Schüler einzugehen.
Neben den hier skizzierten Angeboten soll durch alle Mitglieder der Schulgemeinschaft nach Wegen gesucht werden, die es dem Einzelnen ermöglichen, sich als Individuum in den verschiedensten Gruppen zu erleben und neben dem Gemeinschaftsgefühl ein sicheres Verständnis seiner persönlichen Werte und Fähigkeiten zu entwickeln. Der gegenseitige Respekt und das auf allen Ebenen bestehende Hilfsangebot, ob institutionalisiert oder informell, sind Voraussetzungen für das Gelingen unseres Bildungs- und Erziehungsauftrags.
HBun / 9. 11. 2009
Kurz notiert
Die Terminpläne für die ABI-Vorklausuren sind online.

