Stufenfahrt
Die 10.Klassen der Canisiusschule erleben eine ereignisreiche Woche in Bayern
Am Freitagabend kehrten die Schülerinnen und Schüler der Stufe 10 der Canisiusschule mit ihren Lehrerinnen und Lehrern von ihrer Stufenfahrt nach Ahaus zurück. Das Fazit aller Beteiligten fiel überaus positiv aus, hatte man doch eine ereignis- und erlebnisreiche, gemeinschaftsfördernde und emotional intensive Woche in Bayern erlebt.
Als Quartier der Stufe und Ausgangspunkt aller Aktivitäten war in diesem Jahr die Jugendherberge Burg Schwaneck in Pullach, 10km südlich von München am Isarhochufer gelegen, ausgewählt worden. Die Burg Schwaneck , der Stein gewordene Traum des Bildhauers Ludwig von Schwanthaler, dient heute, von Grund auf renoviert und modernisiert, als Gästehaus, Bildungsstätte und Tagungsort zugleich. Die Jugendherberge erwies sich nicht nur aufgrund seiner Lage als ideale Basis für die Aktivitäten der Stufe. Sie konnte zudem durch freundliches Personal, ansprechende Unterkünfte, moderne Aufenthaltsräume und die sehr gute Verpflegung überzeugen. Die unmittelbare Nachbarschaft der Jugendherberge zum Bundesnachrichtendienst, dem Auslandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland, vermittelte darüber hinaus ein ambivalentes Gefühl der Sicherheit.
Am Montag, dem 24.9.09, begann die Stufe Ihr Programm mit einer Stat(t)-Führung durch die Münchner Altstadt. In Gruppen wurden die Schülerinnen und Schülern durch die Stat(t)-Führer in die Geheimnisse der Stadt München und ihrer Geschichte eingeweiht. Ob Rathaus, Hofbräuhaus, Frauenkirche oder Viktualienmarkt, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wurden mit Witz und informativ erläutert. Den zweiten Programmpunkt des Tages bildete eine Besichtigung einer altehrwürdigen Institution, des Deutschen Museums. Hier kann der Interessierte in 50 Ausstellungsbereichen auf über 47.000 Quadratmetern die Entwicklung der Naturwissenschaft und Technik von den Ursprüngen bis zum heutigen Tag erleben. Bei einem zeitlichen Rahmen von ca. 2 ½ Stunden waren die Schülerinnen und Schüler allerdings gezwungen, selektiv vorzugehen. Einen Höhepunkt des Museumsbesuchs bildete die Hochspannungsvorführung, die die Kraft und Energie elektrischer (Ent)ladungen eindrucksvoll demonstrierte.
Am Dienstag brach die Stufe zu einer sportlichen Herausforderung auf. Es galt, den Herzogstand (1758 Meter über NN) zu Fuß zu bezwingen. Bei bestem Wanderwetter zeigten die gesamte Gruppe Durchhaltevermögen und erreichte in 1 ½ - 2 ¼ Stunden das erste Ziel, das Berggasthaus Herzogstand auf 1575 Metern Höhe. Nach einer Pause hatte jeder die Möglichkeit, auch noch das letzte Stück des Wegs bis zum Gipfelkreuz zu erklimmen. Die umwerfende Aussicht von dort oben entschädigte für die großen Mühen des Aufstiegs. Während 26 Schülerinnen und Schüler im Anschluss an diese spektakulären Eindrücke auch noch den Abstieg zu Fuß in Angriff nahmen, war der Großteil der Gruppe offensichtlich froh, komfortabel mit der Herzogstandbahn ins Tal hinunter gleiten zu können.
Nach der körperlichen Belastung am Dienstag bedeutete der Besuch der Gedenkstätte KZ Dachau am Mittwoch eine besondere emotionale Belastung für alle Beteiligten. "Dachau - die Bedeutung dieses Namens ist aus der deutschen Geschichte nicht auszulöschen. Er steht für alle Konzentrationslager, die Nationalsozialisten in ihrem Herrschaftsbereich errichtet haben." (Eugen Kogon) Jeder fühlte, dass die Gruppe an einem Ort angekommen war, der ein Symbol der Unmenschlichkeit, Amoralität und barbarischen Tyrannei darstellt. Am 22. März 1933, wenige Wochen nachdem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, wurde in Dachau ein Konzentrationslager für politische Gefangene errichtet. Es diente als Modell für alle späteren Konzentrationslager und als „Schule der Gewalt” für die Männer der SS, unter deren Herrschaft es stand. In den zwölf Jahren seines
Bestehens waren hier und in zahlreichen Außenlagern über 200.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Mehr als 43.000 wurden ermordet. Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen die Überlebenden. Die Geschichte des Lagers wurde zunächst in einem bewegenden Filmdokument dargestellt. Die Informationen über die planmäßige Vernichtung von Menschen, die Bilder der Leichenberge sowie ausgehungerter und geschundener Überlebender schockierten, ließen erstarren und verstummen. In einer Ausstellung über das KZ Dachau hatten die Schülerinnen und Schüler im Anschluss daran die Möglichkeit, sich eingehend über die Ziele der Nazis, die „Funktionsweise“ des Lagers, die brutalen und menschenverachtenden Praktiken und die katastrophalen Folgen zu informieren. Die Häftlinge, so lernten die Besucher der Ausstellung seien in den KZ „ehrlos, wehrlos und rechtlos“ dem willkürlichen Terror der SS ausgeliefert gewesen. Abschließend konnte das erworbene Wissen auf einem eindrucksvollen Rundgang durch das Lager vertieft werden. Man konnte allerdings nur erahnen, welche Ängste und welches Leid auf dem Appellplatz, in den Baracken, den Folterkammern, dem Krematorium oder am Jourhaus ausgehalten werden musste.
Sportlich wurde das Programm der Stufenfahrt am Donnerstag abgeschlossen. Bei „Rafting“, Wildwasserfahren im großen Schlauchboot, bzw. einem Besuch im Hochseilgarten wurde unter professioneller Anleitung Gelegenheit gegeben, seine persönlichen Grenzen auszuloten und gleichzeitig Vertrauen in seine Mitschüler aufzubauen. Beide Programmpunkte waren nämlich als Individualist nicht zu bewältigen. Es kam darauf an, sich als Team zu bewähren und für einander einzustehen. Die Teilnehmer des Raftings erlebten dies auf der Isar zwischen Lenggries und Bad Tölz bei der spektakulären Durchfahrt von Stromschnellen und beim Strömungsschwimmen. Im Hochseilgarten standen Aufgaben in schwindelerregender Höhe im Mittelpunkt (z.B. das Erklimmen eines 9 Meter hohen Pfahles), die verantwortungsvolle Sicherungsmaßnahmen und viel Mut erforderten. Der Extraschub an Adrenalin ließ nicht lange auf sich warten.
Insgesamt muss die Fahrt als großer Erfolg bezeichnet werden, denn sie war ein herausragendes Gemeinschaftserlebnis der gesamten Jahrgangsstufe 10, deren Wirkung noch lange andauern wird.
Kurz notiert
Die Terminpläne für die ABI-Vorklausuren sind online.

