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Schaurig-schön: Dracula. Das Grusical

Aufführung der Musical-AG der Canisiusschule in der Statdhalle

Merkwürdiges geschieht in dem kleinen Ort Huntington in England, wo aus kreuzbraven, tief puritanischen Frauen plötzlich liebestolle Erotomaninnen werden. Warum sind außerdem plötzlich alle so lichtscheu und fliehen vor dem Kreuz? Nun, die Zuschauer, die an den vergangenen drei Tagen eine der vier Aufführungen des Musicals „Dracula. Das Grusical“ in der Ahauser Stadthalle gesehen haben, wissen es: Graf Dracula ist nach Huntington gezogen und treibt hier sein Unwesen. In einem ebenso schaurigen wie humorvollen Remake wird die alte Geschichte dieses Mal in einer Musicalversion erzählt, angereichert mit vielen ironischen Brechungen, unterhaltsamen Aperçus und Elementen des Slapsticks und der Komödie.

Der Komponist Claus Martin bedient sich dabei im Stile eines postmodernen Eklektikers souverän zentraler musikalischer Vokabeln der Musikgeschichte und -kultur: Da findet sich der Big-Band-Sound neben Sakralem, Filmmusikzitate neben mehrstimmigem Chorgesang, Symphonisches und Operette neben der Pop-Ballade und dem Marsch. Es ist also ein anspruchsvolles und facettenreiches Werk, das sich die Musical-AG der Canisiusschule vorgenommen hat, und man muss vorab konstatieren: Es war eine Meisterleistung aller Beteiligten und die Aufführung muss nicht einmal den Vergleich mit professionellen Musiktheaterinszenierungen scheuen.

Dies ist zum einen natürlich der Arbeit der Leiterinnen zu verdanken. Ursula van der Linde-Banken (Musik/Gesang), Inge Walters (Regie) und Corinna Gottschalk (Choreografie) haben mit großem Können und leidenschaftlichem Engagement ihre Darsteller zu tänzerischen, schauspielerischen und sängerischen Leistungen anspornen können, die man kaum für möglich halten möchte, denn schließlich handelt es sich ja immer noch um Schüler. In den Hauptrollen konnten Steffen Keul als Dracula, Christina Niehues, Katharina Oelerich und Sabrina Bagus als Schwesternschülerinnen, Sebastian Frye als Dr. van Helsing, Theresa Banken, Anna Schulten, Katharina Walters und Franziska Werschmann als Vampirbräute, Dominik Terweh als Jonathan, Theresa Groten als Mrs. Hawkins, Markus Schabbing als Dr. Stewart, Tabea Braun als Mrs. Ascot und Constantin Braun als Renfield allesamt begeistern und ihr großes stimmliches bzw. schauspielerisches Potenzial scheinbar ohne Lampenfieber abrufen. Gekonnt präsentiert wurde da Frivoles und Skurriles, Habgier und trockener Bürokratismus, zärtliche Liebesszenen und Gruselmomente, lüsterne Begierde und gutmütige Tapsigkeit – das pralle Leben der „untoten“ Vampire und der Menschen eben.

Auch die anderen Rollen waren allesamt vorzüglich besetzt und müssten hier – wenn es denn den Raum dafür gäbe – ebenso genannt werden wie die vielen Helfer aus der Elternschaft und dem Lehrerkollegium. Was wäre eine solche Aufführung ohne die schönen Kostüme, das tolle Bühnenbild (Bernhard Walters), die professionelle Maske (Regina Wiggers) und und und...!

Man entließ ein völlig überwältigtes, frenetisch Applaus spendendes Publikum in die dunkle Nacht ...                                                                                           [N. v.d. Linde]

 

 





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