Archiv
>
Archiv 06-07
> Carmina Burana ...

Carmina Burana zum Stadtfest
Da hat sich die Stadt Ahaus mit Carl Orffs Carmina Burana etwas Besonderes zum Stadtfest und anlässlich der Renovierung der Fußgängerzone gegönnt: Das Freiluftkonzert am Christi-Himmelfahrtstag wurde zu einem Konzertereignis besonderer Güte und wird sowohl den über 1500 Zuhörern als auch den über 300 Mitwirkenden nachdrücklich in Erinnerung bleiben.
Ob man nun das bedeutungsschwere „O Fortuna“ oder das eher derbe Trinklied „In Taberna“, die Apotheose der Liebe in „Blanziflor et Helena“ oder die betörende Musik des „In Trituna“ auf dem Nachhauseweg im Ohr hatte, wohl niemand wird von dieser Musik unberührt geblieben sein.
Die beteiligten Chöre - der Lehrer-Eltern-Schüler-Chor und der Kinderchor der Canisiusschule sowie der Kinderchor und die Gemeindechöre von St. Mariä Himmelfahrt - fanden sich zu einem homogenen Klangkörper zusammen, dessen enormes Klangvolumen nicht nur rein quantitativ mit der großen Zahl der Sängerinnen und Sänger zu erklären ist, sondern auch mit den vielen gut geführten Stimmen.
Dynamisch fein abgestuft, differenziert und sensibel in der musikalischen Farbgestaltung bei den zarteren Stücken, mit monumentaler Klangfülle und rhythmischer und textlicher Präzision an anderer Stelle dieses facettenreichen Werkes – immer zeigten sich die Sängerinnen und Sänger den hochkomplexen Anforderungen, die Orffs Komposition an sie stellt, in besonderem Maße gewachsen. Ein besonderes Lob gilt auch den jungen Nachwuchssängern aus dem „Kinderchor“. Trotz längerer Wartezeit bis zu ihrem ersten Einsatz waren sie vom ersten Takt an präsent und überzeugten durch klares, intonationssicheres und unbefangen-frisches Singen. Das ergibt sich nicht von selbst oder allein durch die vielen natürlichen Stimmebegabungen, sondern wie bei den Erwachsenen ist dies auch das Ergebnis intensiven Übens und Probens. Hier gilt besonderer Dank den vier projektführenden Chorleitern - Hans Küblbeck, Ursula van der Linde-Bancken, Andrea van der Linde und Norbert van der Linde - für ihre professionelle und engagierte Arbeit, die sich auf dem Podium auch dirigentisch fortsetzte. Die beiden Dirigenten, die für die Aufführung ausgelost wurden und schließlich vor das Symphonieorchester Nordrhein-Westfalen und den Großchor traten, Andrea van der Linde und Hans Küblbeck, führten nicht nur souverän durch Orffs Werk, sondern konnten in der Aufführungssituation ihre Sängerinnen und Sänger auch zu besonderen Leistungen motivieren. Das Symphonieorchester Nordrhein-Westfalen begleitete unter ihrem Dirigat schwungvoll und versiert. Es komplettierte zusammen mit den exquisiten Solisten Stefan Adam (Bariton), Ulrike Maria Maier (Sopran) und dem Tenor Thomas Piffka, der den berühmten „sterbenden Schwan“ wunderbar komisch zelebrierte, einen rundum gelungenen musikalischen Abend in der schönen, kühlen Abendluft vor dem Ahauser Rathaus. Das Publikum fand es offensichtlich so schade, dass nach 90 Minuten bereits alles vorbei war, dass es sich noch zwei Zugaben erklatschte und die Musikerinnen und Musiker schließlich nur ungern und mit stehenden Ovationen entließ.
< Druckversion >
|