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Chorfahrt nach Heiligenstadt

Canisiusschule feiert Jubiläumstag der Heiligenstädter Schulschwestern mit

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen und wenn dies mit 104 multipliziert wird, dann wird daraus ein großer Roman. Was gäbe es nicht alles zu berichten von der Fahrt des Unterstufenchores und des Lehrer-Eltern-Schüler-Chores zur großen Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Ordens der Heiligenstädter Schulschwestern (SMMP), jenes Ordens also, der die Ahauser Canisiusschule über 100 Jahre prägte und von dessen Geist sie immer noch geprägt wird. Da aus Zeitgründen nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fahrt nach ihren Eindrücken und Erlebissen befragt werden konnten, ist folgender Bericht ein wenig von der Perspektive des Schreibers dieser Zeilen geprägt. Ich hoffe dabei, dass ich alles Wesentliche erwähne und für alle nachvollziehbar bewerte.

Am vergangenen Donnerstagmorgen, dem 7. September 2006, ging es los. Die beiden Busse mit den sehr unterschiedlichen Busfahrern „Hansjürgen“, einem gebürtigen Rheinländer, und „Anonymus“, der gut unterrichteten Kreisen zufolge ein gebürtiger Westfale ist (die sprechen ja nicht so viel!), fuhren in Richtung Heiligenstadt und kamen dort auch fast pünktlich an. Chorleiter Norbert van der Linde verzichtete dann aus Zeitgründen auf das gemeinsame Mittagessen und sondierte die akustischen und räumliche Bedingungen der Aegidienkirche, in der die Festmesse am folgenden Freitag zelebriert werden sollte. Raum und Akustik erwiesen sich dabei als ebenso schwierig und problematisch wie der Hausherr der Kirche, ein Pfarrer, der sich dem Chorleiter zwar nicht namentlich vorstellte, sich selbst aber vorstellte, dass die Musik doch wohl besser in der evangelischen Kirche gespielt werden solle, damit sie den Festgottesdienst nicht störe. Nach dem Austausch dieser grundsätzlich differierenden Vorstellungen bezüglich der „Verortung“ der Musik folgte eine knappe Diskussion zur Aufführungspraxis und Rolle der Musik in der Kirche überhaupt, bei dem der Chorleiter und der Pfarrer wiederum durchaus unterschiedlicher Auffassung waren, denn der Chorleiter wollte sich einfach nicht davon überzeugen lassen, dass die Musik in einem Gottesdienst prinzipiell eher stört und vertrat die Ansicht, dass zumindest doch theoretisch die Möglichkeit existiert, auch in einem Gottesdienst nicht nur musikalisch schöne, sondern mit der Musik auch liturgisch wertvolle, den Gottesdienst bereichernde Gedanken zu präsentieren. Dies alles spielte sich vor den Instrumentalisten ab, die die Diskussion zumindest zum Teil aufmerksam verfolgten, die dadurch entstandene Pause aber zu einem anderen Teil auch dazu nutzten, sich um ihre Sitzgelegenheiten zu kümmern, denn Stühle in der versprochenen und nötigen Anzahl standen nicht zur Verfügung. Die Diskussion endete damit, dass der Pfarrer die Musiker vor das rechte Seitenschiff platzierte. Irgendwie übersehen hat er dabei, dass der Chor nun die Instrumentalisten weder sehen noch richtig hören konnte (und umgekehrt), und der Dirigent nur unter kruden Verrenkungen seines Körpers Kontakt zu den Sängern und zu den Instrumentalisten halten konnte, was aber bei einem Werk, das gemeinsam musiziert wird, nun ebenso von Vorteil ist wie eine gewisse räumliche Nähe von Orchesterapparat und Chören. Der diesbezügliche Hinweis des Dirigenten wurde vom besagten Pfarrer aber nur durch zügiges Verlassen der Kirche quittiert, nicht ohne auf dieser Anordnung ohne jede weitere Konzession – denn das war ja schon eine solche! – zu bestehen. Inzwischen waren also die meisten Sängerinnen und Sänger eingetroffen, wobei nach ersten Versuchen, mit dem Chor und Orchester gemeinsam zu musizieren, erst einmal die separate Probenarbeit mit den Instrumentalisten fortgesetzt werden musste, denn die war ja durch die spannende Diskussion zwischen dem Pfarrer und dem Dirigenten um etwa die Hälfte gekürzt worden. Da kann es ja auch niemanden verwundern, wenn noch nicht alles so recht klappen wollte. So verfolgten die Chorsänger die interessanten Klangexperimente, die sich aus dem Zusammenspiel der elf Instrumentalisten (allesamt Profis) ergaben und staunten ob der doch sehr avantgardistisch anmutenden Satztechnik Rutters, die von dem in Ahaus immer am Klavier dargestellten Orchesterpart derart zu divergieren schien, dass dies eigentlich nur eine Schlussfolgerung zuließ: Andrea und Norbert haben in den Proben immer falsch gespielt. Doch auch dieser Eindruck konnte nicht verifiziert werden, denn unübersehbar war im weiteren Verlauf der Probenarbeit, dass der Dirigent zwar ein Tempo vorgab und Takt, Einsätze, Dynamik und Agogik anzuzeigen bemüht war, die Instrumentalisten aber diese Parameter mangels Vertrautheit mit dem Notentext zunächst verständlicherweise zurückstellen mussten und sich lieber um das Basale, nämlich die korrekte Tonhöhe und den richtigen Rhythmus kümmerten. Leider wollte aber auch dies bis zum Schluss der Probe nicht recht gelingen und insbesondere der Harfenistin gelang Erstaunliches. Ihr Spiel wirkte geradezu wie improvisiert, befreit von allen einengenden Fesseln des Metrums, des Rhythmus´ und anderer kompositorischer Vorgaben. Da mochte der Dirigent auf schnöden Anforderungen wie „Zählen“, Taktart, Tonart und Tempovorschriften insistieren, groß und schön scheint dieser Harfenistin Musik erst zu sein, wenn sie spontan, zwanglos und unabhängig von dem ist, was die anderen musizieren.

Nach der Probe setzten alle dann für die Festmesse auf eine veränderte Akustik in einer gefüllte Kirche und man siedelte zur Turnhalle über, in der nach der Festmesse der Festakt stattfinden sollte.

Hier wurde für weitere zwei Stunden geprobt, sodass das anschließende Grillen nun auch wohl verdient war. Es wurde dann nicht nur gut gegessen und getrunken, sondern in den unterschiedlichsten Gruppen gelacht und getanzt, gespielt und gesungen, geredet und gescherzt. Nach dem anstrengenden Probentag war dies ein schöner Abschluss, bei dem sich die Sängerinnen und Sänger aus Heiligenstadt auch ganz unkompliziert mit uns Ahausern in gemischten Gruppen zusammenfanden und man sich gleich außerordentlich gut verstand.

Der zweite Tag war dann vielleicht der noch nachdrücklichere, denn in der insgesamt sehr schönen Festmesse zeigten sowohl der Unterstufenchor als auch der Lehrer-Eltern-Schüler-Chor und - man lese und staune - auch die Instrumentalisten eine sehr konzentrierte Leistung. So konnten dann auch alle stolz und zufrieden sein, die Sängerinnen und Sänger, die Leiterin des Unterstufenchores, Ursula van der Linde-Bancken, und die Leiter des Lehrer-Eltern-Schüler-Chores, Andrea und Norbert van der Linde. Es erwies sich auch die Vermutung als richtig, dass die Akustik in der vollen Kirche für das Musizieren wesentlich angenehmer war. Neben den beiden Chören, die besonders zu loben sind, sind aber auch noch Frau Richter-Westermann und Herr Fischer hervorzuheben, denn beide waren nicht nur überragende Gesangssolisten, sondern sie ließen sich auch durch nichts aus der Ruhe bringen.

 

Der Festakt verlief in angenehmer Atmosphäre und in unterschiedlichsten Beiträgen wurden sowohl die Gründerin des Ordens, die heilige Maria Magdalena Postel, als auch die Geschichte und das Wirken der Gemeinschaft heute gewürdigt. Die musikalischen Beiträge gelangen auch hier und das Ganze mündete in ein tolles Buffet in guter Stimmung. Nach einem abschließenden improvisierten Kaffeetrinken setzten wir zur Heimfahrt an, die, bis auf kleinere Schwierigkeiten mit dem Schaltgetriebe bei einem der beiden Busse, ebenfalls harmonisch verlief.

Ich hoffe, für alle zu sprechen, wenn ich die Fahrt als ein schönes und wiederholenswertes Erlebnis bezeichne. Sr. Adelgundis hat sich sehr über unser Mitwirken und das Wiedersehen mit so vielen ihrer ehemaligen Kollegen, Eltern und Schülern gefreut. Die Resonanz war aber auch sonst sehr positiv, und wenn die Möglichkeit besteht, können wir die „Mass of the children“ von John Rutter sogar im Münsteraner Dom noch einmal singen, wozu uns Domkapitular Dr. Hegge eingeladen hat. In Wessum wollen wir das Werk ja ohnehin noch einmal zu Gehör bringen.

Hier geht's zum Photoalbum!

 

Norbert van der Linde





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