Archiv
>
Archiv 04-05
> Bistumsjubiläum

Bistumsjubiläum
"Bunte Fahnen und brennende Fußsohlen" - Der Bericht der Münsterschen Zeitung über die Canisiusschule auf dem Fußmarsch zur Jubiläumsfeier.

Münster ■ „Es' regnet nicht." Dieter Hilgenberg sagt das mit sicherer Stimme. Es ist 15.32 Uhr. Vor einer halben Stunde hatte es aus himmlischen Höhen erneut nicht nur getropft. Nun tröpfelt es noch immer auf den Domplatz - aus nassem Geäst. Zweieinhalb Stunden bis zur zentralen Eröffnungsfeier des Bistumstages, auf der es, so der Helfer, nicht regnen wird. Nicht regnen darf. 2000 Stühle müssen jetzt aufgestellt werden, die Big Band probt bereits der Herr regieret... Halleluja". Es zieht sich zu. Erneut. Des Jubiläumsjahres Höhepunkt - jetzt ist er da. Und es ist nass. „Hilfe! Nein!" hatte morgens auch Klaus Nelissen gedacht. Doch nun hat der Mitorganisator gute Laune. Und verbreitet sie: „Wetter ist kein Problem." Die Stimmung sei super - so oder so!
Allein dank der 1500 Schüler, die Münsters City gerade zu einem multiakustischen Klangraum machten. Findet auch Tobias Ostendorf aus Ahaus, der seiner Schulband „The Peats" zuhört, schon einen 25 Kilometermarsch hinter sich hat - und nass ist. 300 Jugendliche seiner bischöflichen Canisiusschule in Ahaus hatten sich bereits am Donnerstagmorgen auf den Weg in die Domstadt gemacht - mit einer nächtlichen Zwischenstation in Havixbeck. Zum Bistumsfest. „Da muss man dabei gewesen sein, wenn man katholisch ist." Keine Frage für den 18-Jährigen. Auch wenn die Füße brennen - wenn auch nicht die seinen: „Nee, die der anderen!" Etwa jene von Lisa Wenker. Die 16-Jährige hat Hunger, will nur noch essen beim Fastfood -"Mc-kes" und schlafen. 17.20 Uhr. Es schüttet wieder. Doch Christenscharen schlendern weiter mit grau-buntem Bistums-Band um den Hals durch die City. Vorbei an den Buden, die Mandeln brennen, Bratwurst rösten, Homhautbalsam anpreisen.,, kurz: Stadtfest-Atmosphäre verbreiten.
Wenn da nicht die bunten Bistumsfahnen zwischen grauem Himmel und nasser Erde hingen, der T-Shirt-Verkäufer nicht seine mit „Jesus inside" und „Jesus rocks you" bedruckten Baumwollhemden in die erste Reihe gelegt hätte, durch die aktuellen und alten Rock-Pop-Hits nicht häufig auch mal ein kräftiges „Halleluja" dröhnte und auch nicht gar so viele Männer in pinkschwarzen Bischofsroben, Schwestern mit wehendem Schleier, Brüder in gegürteter Kutte und Geistliche mit weißem Römer-Kragen die Pfützen umrundeten. Noch herrscht Aufbau-Stimmung. Noch stehen keine Schlangen vorm WC-Häuschen. Noch ist der Bistumstag nicht eröffnet. „Haben Sie hier auch Sonnenschein? - Nein, nur Regenschirme!" Christa Köhler, die um kurz vor sechs noch immer lächelnd die Lieblingsfrage des Tages beantwortet, verkauft an einem der 14 Info-Stände den Wasserschutz „schon recht oft". Doch „gut gelaunt" seien die .Leute dennoch, fragten nach Veranstaltungen, Orten, wann und wo die Band „Silbermond" spiele. .. und dann läutet es 18 Uhr aus den Kirchtürmen und in des Bistums Fest hinein. Der Domplatz zählt so viele Pflastersteine wie Gläubige aus dem gesamten Bistum - und wie Schirme. Doch die können geschlossen bleiben, hellgrau ist der Himmel, Helfer Hilgenberg hatte es gewusst: Das Bistum feiert! - „Es regnet nicht." Als der Bischof die Jubiläumskerze weiht, leuchtet ein strahlend blauer Himmel.
Und in der gleißenden Abendsonne dann sind auf dem „kleinen Katholikentag", so raunt es in den Straßen, die Winkel der Innenstadt zu echten „Kirchplätzen" geworden. Auf denen Weihbischöfe beim Wein plaudern, das Domkapitel sich unter die gläubige Menge mischt, Familien Stockbrot backen... das Bistum feiert. ■ Kerstin Heil
zum Photoalbum
Zurück zur Übersicht
< Druckversion >
|