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Bistumsjubiläum

"Bunte Fahnen und brennende Fußsohlen" - Der Bericht der Münsterschen Zeitung über die Canisiusschule auf dem Fußmarsch zur Jubiläumsfeier.

Münster ■ „Es' regnet nicht." Dieter Hilgenberg sagt das mit sicherer Stimme. Es ist 15.32 Uhr. Vor einer halben Stunde hatte es aus himmlischen Hö­hen erneut nicht nur getropft. Nun tröpfelt es noch immer auf den Domplatz - aus nas­sem Geäst. Zweieinhalb Stun­den bis zur zentralen Eröff­nungsfeier des Bistumstages, auf der es, so der Helfer, nicht regnen wird. Nicht regnen darf. 2000 Stühle müssen jetzt aufgestellt  werden,   die  Big Band probt bereits  der Herr regieret... Halleluja". Es zieht sich zu. Erneut. Des Jubiläumsjahres Höhe­punkt - jetzt ist er da. Und es ist nass. „Hilfe! Nein!" hatte morgens auch Klaus Nelissen gedacht. Doch nun hat der Mitorganisator gute Laune. Und verbreitet sie: „Wetter ist kein Problem." Die Stimmung sei super - so oder so!

Allein dank der 1500 Schü­ler, die Münsters City gerade zu einem multiakustischen Klangraum machten. Findet auch Tobias Ostendorf aus Ahaus, der seiner Schulband „The Peats" zuhört, schon ei­nen 25 Kilometermarsch hin­ter sich hat - und nass ist. 300 Jugendliche seiner bischöfli­chen Canisiusschule in Ahaus hatten sich bereits am Don­nerstagmorgen auf den Weg in die Domstadt gemacht - mit einer nächtlichen Zwi­schenstation in Havixbeck. Zum Bistumsfest. „Da muss man dabei gewesen sein, wenn man katholisch ist." Keine Frage für den 18-Jähri­gen. Auch wenn die Füße brennen - wenn auch nicht die seinen: „Nee, die der an­deren!" Etwa jene von Lisa Wenker. Die 16-Jährige hat Hunger, will nur noch essen beim Fastfood -"Mc-kes" und schlafen. 17.20 Uhr. Es schüttet wieder. Doch Chris­tenscharen schlendern weiter mit grau-buntem Bistums-Band um den Hals durch die City. Vorbei an den Buden, die Mandeln brennen, Bratwurst rösten, Homhautbalsam an­preisen.,, kurz: Stadtfest-At­mosphäre verbreiten.

Wenn da nicht die bunten Bistumsfahnen zwischen grauem Himmel und nasser Erde hingen, der T-Shirt-Verkäufer nicht seine mit „Jesus inside" und „Jesus rocks you" bedruckten Baumwollhemden in die erste Reihe gelegt hätte, durch die aktuellen und alten Rock-Pop-Hits nicht häufig auch mal ein kräftiges „Halle­luja" dröhnte und auch nicht gar so viele Männer in pink­schwarzen Bischofsroben, Schwestern mit wehendem Schleier, Brüder in gegürteter Kutte und Geistliche mit wei­ßem Römer-Kragen die Pfüt­zen umrundeten. Noch herrscht Aufbau-Stimmung. Noch stehen keine Schlangen vorm WC-Häuschen. Noch ist der Bistumstag nicht eröffnet. „Haben Sie hier auch Son­nenschein? - Nein, nur Re­genschirme!" Christa Köhler, die um kurz vor sechs noch immer lächelnd die Lieblings­frage des Tages beantwortet, verkauft an einem der 14 Info-Stände den Wasserschutz „schon recht oft". Doch „gut gelaunt" seien die .Leute den­noch, fragten nach Veranstal­tungen, Orten, wann und wo die Band „Silbermond" spie­le. .. und dann läutet es 18 Uhr aus den Kirchtürmen und in des Bistums Fest hinein. Der Domplatz zählt so viele Pflas­tersteine wie Gläubige aus dem gesamten Bistum - und wie Schirme. Doch die kön­nen geschlossen bleiben, hellgrau ist der Himmel, Helfer Hilgenberg hatte es gewusst: Das Bistum feiert! - „Es regnet nicht." Als der Bischof die Ju­biläumskerze weiht, leuchtet ein strahlend blauer Himmel.

Und in der gleißenden Abendsonne dann sind auf dem „kleinen Katholikentag", so raunt es in den Straßen, die Winkel der Innenstadt zu ech­ten „Kirchplätzen" geworden. Auf denen Weihbischöfe beim Wein plaudern, das Domkapi­tel sich unter die gläubige Menge mischt, Familien Stockbrot backen... das Bis­tum feiert. ■ Kerstin Heil

 

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